Dienstag, 11. September 2012

/REZENSION/ DIE WORTE DER WEIßEN KÖNIGIN – ANTONIA MICHAELIS













Erschienen: August 2011
Seitenanzahl: 267
Gebunden:  14,95€


Zusammenfassung:

Lion lebt allein mit seinem Vater in einem kleinen Haus irgendwo an der Ostsee.  Die Mutter hat die beiden schon vor vielen Jahren verlassen, um im Westen Karriere zu machen.  Solange Lions Vater noch seinen Job als ungelernter Arbeiter in einer Schiffswerft hat, scheint soweit alles in Ordnung zu sein.
Lion geht mit ihm auf die Jagd und er entdeckt dabei die Liebe zu den Seeadlern. Sein Vater erschießt sie allerdings weil die Seeadler Ziegen und andere Tiere reißen, die er den Nachbarn zum Verkauf anbieten will. Eine weitere Liebe entdeckt Lion eines Tages in einer kleinen Kirche in einem Nachbardorf, als er  dort eine ältere Dame mit weißen Haaren sieht, die anderen Kindern jeden Samstag Geschichten vorliest.  Lion nennt diese feine Dame „die weiße Königin“ und es gehen ihm bestimmte Worte nicht mehr aus dem Kopf.
Als sich eines Tages die „weiße Königin“ sich verabschiedet, weil sie auf eine lange Reise geht, ist Lion sehr traurig. Denn er vermisst die Worte der „weißen Königin“.  Die Verzweiflung wird noch größer als der Vater eines Tages seine Arbeit verliert und immer mehr anfängt zu trinken.  Denn wenn er betrunken ist verwandelt sich in den „schwarzen König“, der Lion brutal und erbarmungslos misshandelt. Eines Tages erschein Lion ein kleines Mädchen namens Olin, die behauptet seine Schwester zu sein und schlau genug um schon früh vor dem Vater wegzulaufen.
Als der Vater wieder sein Versprechen bricht, mit dem Trinken aufzuhören flieht Lion in den Wald und findet bei den Seeadlern eine Art Ersatzfamilie.  Olin folgt ihm und sagt ihm was er zu tun hat. Gemeinsam mit ihr macht er sich auf eine lange Reise um die „weiße Königin“ zu suchen, die er irgendwo in Berlin vermutet.  Auf dieser Riese lernt er, auf sein Inneres zu hören und ganz langsam Vertrauen zu sich und zu anderen zu gewinnen.

Zum Buch:

Was diese gesamte Geschichte prägt, ist die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die vielschichtig aber nicht immer eindeutig ist. Lion liebt die Seeadler und die Geschichten der „weißen Königin“, während sein Vater diese Tiere hasst und großen Worten nicht viel abgewinnen kann, weshalb er auch Lion verlangen nach den vorgelesenen Geschichten nicht versteht.
Die Erfundene Gestalt der älteren Schwester Olin ist für Lion zunächst überlebenswichtig, denn sie ist ein Teil seiner Selbstreflektion, die ihn leiten und auf die er auch zunächst bedingungslos hört. Sie gibt im Mut, fordert ihn auf und provoziert ihn. So schleudert sie Lion hin, dass sie sich schon längst gegen den gewalttätigen Vater gewährt hätte, ohne auch nur den Ansatz einer Idee zu liefern wie Lion dass hätte tun sollen. Sie stellt so das kleine Teufelchen im Ohr da, dass ihm auch Böses zuflüstert, was Lion dann allerdings mit eigener Kraft und Gewissen ausbalancieren kann.
Auch wenn das Buch manchmal den Bezug zur Realität verliert. Gelingt der Autorin doch der Spagat zwischen surrealistischen und realistischen Begebenheiten mit einer berührenden Sprach zu verbinden.
So bleibt es auch das gesamte Buch über spannend.
Der Vater sagt zwar „dass keinem verziehen werden kann“, dennoch tut Lion genau das am Ender der Geschichte.
Obwohl mit der Fiktiven Person Olin ein Kontrapunkt gesetzt wird, löst sich diese am Ende in einer kritischen Situation in Wohlgefallen auf. Es mag zwar für einen Runden Schluss sorgen, dass Verzeihen zwischen Sohn und Vater. Dennoch sind solche brutale, körperliche Misshandlungen, egal unter welchen Bedingungen sind Kinder zugefügt werden, nicht zwingend zu verzeihen.
Antonia Michaelis hat erneut ein ernstes Thema in märchenhafte, gefühlvollen Worten verpackt, diei den Leser mitreist.

Fazit:

Schreibstil: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ (5/5)
Charaktere: ♥ ♥ ♥ ♥  (4/5)
Spannung: ♥ ♥ ♥ ♥  (4/5)
Emotionale Tiefe: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ (5/5)
Humor: ♥ ♥  (2/5)
Originalität: ♥ ♥ ♥ (3/5)




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